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Ollis Meisterwerk - Klettern am Gantkofel

Stefan Brunner04. Mai 2026

Ollis Meisterwerk – 7b, 500 Meter, Gantkofel

„Stopp, stopp! Nicht mehr am Haulbag ziehen!“, schreie ich nach oben.
Gott sei Dank hört mich Max, und der Hauli bleibt auf seiner Position. Ein Zug mehr – und ich würde heute anders aussehen, das ist sicher.

Warum?
Der Haulbag, fast direkt zehn Meter über mir, hat einen ziemlich großen Stein – Kategorie Ghettoblaster – gelockert. Er wäre beinahe heruntergefallen. Spoiler: Beim nächsten Zug am Haulbag ist er tatsächlich ausgebrochen und in die Tiefe gestürzt. Da war ich allerdings schon oberhalb des Haulis.

Erster Merksatz:
Beim Haulen im brüchigen Gelände niemals unter dem Haulbag sein! Seitlich ist gut – darüber ist immer besser.
Dass sich diese Technik verbietet, wenn andere Seilschaften in der Wand sind, ist klar. Hier am Gantkofel sind wir allein, also kein Problem.

Diese Tour schützt sich ohnehin selbst vor den Horden der Genusskletterer, die rund um Arco gerne durch die Plaisir-Schrofen stolpern. Trotz Plaisir-Absicherung der 500 Meter langen Route gibt es einige Faktoren, die den großen Ansturm verhindern:

·       die Schwierigkeit – mit 7b kein Spaziergang

·       die Länge – 500 Meter

·       die Steilheit – vor allem ab dem Band wird es kräftig

·       die Felsqualität – der Gantkofel gilt als brüchig; obwohl die Linie den kompakten Fels sucht, müssen immer wieder heikle Passagen bewältigt werden


So, da sind wir.
Mitten in der Nordwand des Gantkofels, am 1.5.2026.

Eine beeindruckende Wand – von fast ganz Südtirol sichtbar. Seit über einem Jahr schaue ich immer wieder hinauf und wundere mich, dass es hier angeblich nichts zu klettern geben soll. Vom Vinschgau kommend, auf der MeBo, zeigt sich der Ganti in einem Profil, das fast an El Capitan erinnert. Umso erstaunlicher, dass es in dieser Wand nur eine Route geben soll.

Mit Max Renner habe ich den perfekten Partner für dieses Abenteuer.
Gestartet sind wir – für mein Empfinden – sehr früh: um 05:30 Uhr. Für mein Genusskletterherz definitiv zu früh. Der Zustieg ist dafür angenehm: 20 Minuten mit dem E-Bike, anschließend 15 Minuten über das Geröllfeld zum Einstieg.

Die ersten Seillängen bis zum Band lassen sich für uns beide gut und zügig klettern. In Wechselführung arbeiten wir uns Seillänge für Seillänge nach oben, bis zum großen Schotterband in Wandmitte. Während des Sicherns nutze ich die Zeit, um die Felssturz-Zone zu bestaunen: gewaltige Blöcke, die nur auf den kleinsten Auslöser warten, um sich zu ihren Kollegen im Schotterfeld zu verabschieden.

Am Band ändert sich die Kletterei deutlich. Es wird steiler, anspruchsvoller und auch etwas heikler. Diese Art von Kletterei kostet mehr Zeit als gedacht. Die Schwierigkeiten können wir bestätigen:
7a / 7a+ / 7b / 6c+ / 6c+ / 6c / 6c – so die Bewertungen des zweiten Abschnitts.

Nach gut zehn Stunden in der schattigen Nordwand erreicht uns endlich wieder die Sonne. Wir stehen am Ausstieg. Es war kühl in der Wand – umso mehr genießen wir jetzt die Wärme.

Jeder von uns hatte leider einen Sturz, jeweils im Nachstieg – beide Male durch ausbrechende Griffe, beide Male im leichteren Gelände, fernab der Schlüsselstellen. Ansonsten eine saubere Teambegehung – im besten Stil.


Fazit:
Anspruchsvolle Tour mit guter Bohrhakenabsicherung – Plaisirkletterei ist es definitiv keine.


Topo und Tourenbeschreibung beim AVS und auf Planetmountain.com